17.10.2007
Lebensmittel werden 2008 noch teurer
Die Preise steigen, die Wut der Verbraucher wohl langsam auch: erst die Milch, dann die Butter, Schokolade, Benzin und zuletzt gaben die Energieversorger bekannt, die Preise für Strom und Gas erhöhen zu wollen. Damit ist aber noch lange nicht Schluss: 2008 sollen die Lebensmittelpreise deutlich steigen.
Der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), Jürgen Abraham, sagte am Dienstag auf der Ernährungsmesse Anuga in Köln, die Preise für wichtige Rohstoffe wie Getreide oder Milch, für Energie und Verpackungsmaterialien hätten sich in den vergangenen zwölf Monaten extrem erhöht. In der Zukunft würden die Rohstoffpreise weiter steigen. Die EU-Kommission geht davon aus, dass bis 2014 die Preise für Agrarerzeugnisse um durchschnittlich 21 Prozent ansteigen werden. Die Weltbevölkerung nimmt zu, in Schwellenländer wie China und Indien steigt die Kaufkraft - daher sei es klar, dass Lebensmittel in Zukunft noch knapper werden.
Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels rechnet damit dass die Lebensmittelpreise in diesem Jahr um gut zwei Prozent steigen. Aktuell lägen die Lebensmittelpreise um 2,7 Prozent über dem Vorjahr, sagte HDE-Präsident Josef Sanktjohanser. Selbst am Milchmarkt zeichne sich eine Entspannung ab. Der intensive Wettbewerb auf Industrie- und Handelsstufe habe für die deutschen Verbraucher dazu geführt, dass die Preise in Deutschland auf einem der niedrigsten Niveaus in Europa sind.
Abraham versicherte, dass die Lebensmittelwirtschaft die gegenwärtig angespannte Rohstoffsituation nicht dazu nutze, die Preise für die Verbraucher über Gebühr zu erhöhen. Eine Panikstimmung in der Öffentlichkeit wie in den letzten Wochen sei nicht gerechtfertigt. Die Preise für Lebensmittel in Deutschland hätten sich seit vielen Jahren unterdurchschnittlich entwickelt. Die gegenwärtigen Preisanpassungen trügen bisher nur dazu bei, diesen Abstand zu verringern.
Bauernverbands-Präsident Gerd Sonnleitner sagte, die Verbraucher müssten akzeptieren, dass Nahrungsmittel tatsächlich ihren Preis wert sein müssen. Die Zeiten ständig rückläufiger Nahrungsmittelpreise seien vorbei. Trotz allem seien Lebensmittel in Deutschland nach wie vor preiswert. Für die Landwirtschaft seien die Preissteigerungen ein positives Signal, in den Agrarstandort Deutschland zu investieren.
Der Einzelhandel profitiert nach Angaben des Präsidenten des Branchenverbandes HDE, Josef Sanktjohanser, nicht von den Preiserhöhungen. Der nach wie vor scharfe Wettbewerb lasse eine Verbesserung der Margen nicht zu. Sanktjohanser erwartet, dass sich der Preisanstieg bei Lebensmitteln in diesem Jahr bei etwa gut zwei Prozent einpendeln wird. Selbst am Milchmarkt zeichne sich langsam Entspannung ab
(da/ddp)