08.11.2007
Siemens entdeckt Schmiergeldsumme von 857 Millionen
Der Schmiergeldskandal bei Siemens hat gerade erst richtig begonnen: Bei den internen Untersuchungen seien zweifelhafte Zahlungen in Höhe von 857 Millionen Euro Euro entdeckt worden, teilte Siemens mit. Das Geld könnte in schwarze Kassen geflossen und als Schmiergeld eingesetzt worden sein.
Der Schmiergeld-Sumpf bei Siemens wird tiefer. Die Affäre begann wegen dubioser Zahlungen für den früheren Kommunikationsbereich Com. Damals hat Siemens fragwürdige Zahlungen in Höhe von 420 Millionen Euro bestätigt. Bei einer internen Untersuchung von anderen Bereichen des Unternehmens, hat sich die zweifelhafte Summe jetzt fast auf von 857 Millionen Euro verdoppelt. Es besteht der Verdacht, dass das Geld in schwarze Kassen geflossen und als Schmiergeld eingesetzt worden ist. Diese steuerlich nicht abzugsfähigen Zahlungen seien in Bereichen außerhalb der ehemaligen Communications-Sparte (Com) gefunden worden, teilte Siemens am Donnerstag bei der Vorlage der Jahreszahlen für 2006/07 mit.
Die 857 Millionen Euro betreffen die übrigen Konzern-Bereiche neben Com sowie die Siemens-Regionalgesellschaften. Die juristischen Folgen der neuen Veröffentlichung sind noch offen, es drohen aber Strafen sowohl durch die deutsche Justiz als auch durch die US-Börsenaufsicht SEC. Das Landgericht München hatte nach dem ersten Skandal eine Geldbuße von 201 Millionen Euro gegen die Siemens AG verhängt. Darüber hinaus sei eine abschließende steuerrechtliche Regelung durch die deutschen Finanzbehörden getroffen worden. Damit waren die deutschen straf- und steuerrechtlichen Ermittlungen wegen Unregelmäßigkeiten im ehemaligen Geschäftsbereich Communications (Com) vorerst beendet.
Bislang hatte Siemens die zweifelhafter Zahlungen mit rund 420 Millionen Euro beziffert. Siemens räumte zwar höhere zweifelhafte Zahlungen ein als bislang bekannt. Deren Höhe lag jedoch deutlich unter den bislang in Presseberichten genannten Summen. In den Medien war Ende September das Gesamtvolumen fragwürdiger Zahlungen auf 1,6 Milliarden Euro beziffert worden. Davon seien 1,15 Milliarden der Kommunikationssparte zuzuordnen, hatte es im «Wall Street Journal» geheißen.
Der Münchener Technologiekonzern bleibt auch nach dem Strafurteil des Münchener Landgerichts weltweit im Visier der Justiz. Neben deutschen Staatsanwaltschaften ermitteln Strafverfolger in der Schweiz, Italien, Griechenland, Ungarn, China, Indonesien, Norwegen, Israel und Russland gegen ehemalige und aktive Manager des Unternehmens. Zudem sitzen dem Konzern weiterhin die US-Börsenaufsicht SEC und das US-Justiziministerium im Nacken.
Der neue Siemens-Chef Peter Löscher kämpft gegen Korruption: "Unsere Haltung bei dem Thema Compliance erlaubt keine Grauzone und keine Kompromisse", erklärte der Siemens-Chef auf der Jahrespressekonferenz heute in München. Er gehe davon aus, "dass mit der heute veröffentlichten Summe an dubiosen Zahlungen in den vergangenen Jahren das Volumen nun nahezu feststeht". Die interne Fahndung zeigt langsam Erfolg: Insgesamt 470 Mitarbeiter wurden im vergangenen Geschäftsjahr wegen Verstößen gegen die Compliance-Regeln belangt. Korruption oder Verstöße gegen das Kartellrecht, Untreue oder Betrug oder Diskriminierungen waren die Gründe.