12.03.2008
Liechtenstein: Die Welt sucht Heinrich Kieber
Heinrich Kieber: das ist der Name des BND-Informanten, der hunderte gestohlene Kundendaten der liechtensteiner LGT-Treuhand an deutsche Behörden verkauft hat. Jetzt wird der 42-jährige "Henry" per internationalem Haftbefehl gesucht: das Gesicht des Schattenmannes geht nun um die Welt. Die Polizei veröffentliche am Dienstag einen Steckbrief mit einem Foto des Gesuchten.
Das Fürstentum Liechtenstein hat am Dienstag einen internationalen Haftbefehl gegen Heinrich Kieber erlassen und den mutmaßlichen BND-Informanten zur Fahndung ausgeschrieben. Im Auftrag des Fürstlichen Landgerichts ermittelt die Liechtensteinische Landespolizei öffentlich gegen den früheren Mitarbeiter der LGT Treuhand. Die Polizei veröffentliche am Dienstag einen Steckbrief mit einem Foto des Gesuchten. Der BND soll Kieber zwar eine neue Identität besorgt haben, doch sein Gesicht geht jetzt um die Welt.
Der 42-jährigen Liechtensteiner Heinrich Kieber arbeitete zwischen April 2001 und November 2002 in der IT-Abteilung der fürstlichen Bank LGT in Liechtenstein. Dort digitalisierte er das Papierarchiv der Bank. Auf diesem Weg ist er offenbar auch an die Kundendaten gelangt, die er an den BND verkauft haben soll. 4,2 Millionen Euro habe der "Spion" dafür kassiert. In Liechtenstein ist er dadurch zum Vaterlandsverräter geworden, verfolgt von den Behörden und gejagt von Einflussreichen, die sich nach Rache sehnen. Mittlerweile bange er um sein Leben. Ein hoher Preis, den "Henry" Kieber nun bezahlen muss. Und das alles für 4,2 Millionen Euro?
Sein Umfeld in Liechtenstein beschreibt ihn als hochintelligent, er sei ein Weltenbummler und auch irgendwie egozentrisch. Geboren wurde Heinrich Kieber am 30. März 1965 in Mauren, Liechtenstein. Sein Vater habe beim Maschinenhersteller Hilti gearbeitet, seine Mutter ist eine gebürtige Spanierin. Als sich seine Eltern trennen ist Kieber ein Jahr alt, er bleibt bei seiner Mutter. Sie muss nun ihre Familie durchbringen und arbeitet hart für Kieber und seine beiden Schwestern. Dann allerdings entscheidet das Jugendamt in Liechtenstein, dass Heinrich Kieber in ein Kinderheim soll.
Vom Heimkind zum Weltenbummler: Er war in New York und in San Francisco, in Südafrika und Australien. Gerade von einem Leben im Down-Under habe Kieber schon immer geträumt. Hat er deshalb Kundendaten aus der LGT gestohlen? Um seinen Traum von Australien wahr werden zu lassen? Fest steht: Heinrich Kieber hat die Daten an den BND verkauft und nicht an die LGT-Treuhand. Umso dringender drängt sich der Frage auf: hätte die LGT die Daten nicht ebenso eingekauft? Kaum vorstellbar, dass es der Fürstenbank keine vier Millionen wert gewesen wäre. Die Liechtensteinische Landesbank in Vaduz etwa hatte von 2005 bis 2007 neun Millionen Euro an einen Erpresser gezahlt, der zuvor hunderte Kundendaten gestohlen hatte.
Eigentlich hätte Kieber sogar die Kunden auf den DVDs erpressen können, die womöglich Millionen hinterzogen haben und ihm deshalb vollends ausgeliefert gewesen wären. Eine Anzeige aus den Reihen der Kunden hätte diese selbst mit ins Verderben gerissen. Doch Heinrich Kieber hat sich für den BND entschieden. Warum? Es war womöglich spannender. Vielleicht hat er Liechtenstein nie verziehen, dass er nicht bei seiner Mutter bleiben durfte und ihn das Jugendamt in ein Heim in Schaan unterbrachte? Mittlerweile erweist sich der BND-Deal immer mehr als unkluger Schachzug für Kieber. Angeblich habe er dem Bundesnachrichtendienst vorgeworfen sein Leben in Gefahr zu bringen. Dem Auslandsgeheimdienst ist es nämlich nicht gelungen, die Identität des Informanten zu schützen. Kieber soll deshalb verängstigt eine neue Identität vom BND verlangt haben, um damit eventuell in Südamerika unterzutauchen. Doch der Geheimdienst soll Kiebers Forderungen allerdings abgelehnt haben.
Nun sucht die ganze Welt nach Heinrich Kieber. Bislang soll der Datendieb mit einer neuen Identität und zwei Pässen in Australien untergetaucht sein. Wie das Magazin "Focus" berichtet, ist Heinrich Kieber seit letzter Woche allerdings wieder in Europa, um mit dem BND zu verhandeln. Jetzt muss er sich verstecken. Angeblich stehe er in Kontakt mit Freunden und Familie: er ruft an, will selbst aber nicht angerufen werden. Doch "Henry" - das ist sein Spitzname- sei angeblich ein Perfektionist. So beschreiben ihn Bekannte aus Liechtenstein. So hat Heinrich Kieber seit heute ein Gesicht, doch der hochintelligente Computerspezialist hat wohl mehr als nur ein Gesicht. Ein Ermittler vom BND sagte: "selbst seine Großmutter würde ihn nicht wiedererkennen".
Foto: (c) Liechtensteinische Landespolizei