28.03.2008
Neapel ohne Müll und ohne Touristen
Neapels Ansehen in der Welt ist stark ramponiert. Obwohl die Innenstadt mittlerweile so sauber wie schon lange nicht mehr ist, bleiben die Hotelbetten rund um Neapel leer. Die Bilder von brennenden Mülltonnen und riesigen Müllbergen hat viele abgeschreckt: der Tourismus bricht ein.
Warum heißt es eigentlich "Neapel sehen und dann sterben"? Auf italienisch: «Vedi Napoli e poi muori». Die meisten verbinden damit die Schönheit der Stadt am Golf von Neapel. Scherzeshalber wurde mit dem Sprichwort auch schon die Mafia in Verbindung gebracht. Während der Müllkrise bekam das geflügelte Wort eine ganz neue Bedeutung. Der Schock sitzt tief, bei den Italienern und den Touristen. Seit der Krise nistet bittere Wut in der Stadt, lauernd und brodelnd. Dass die Buchungen für den Osterurlaub im Vergleich zum Vorjahr bis zu 60 Prozent abgenommen haben, macht die Stimmung in Neapel nicht besser.
Bilder von gigantischen Müllhaufen haben viele Besucher abgeschreckt und dem Tourismus schwer zugesetzt. Obwohl die Innenstadt mittlerweile so sauber ist, wie schon lange nicht mehr: die Touristen bleiben fern. Gerade Hotels außerhalb des Zentrums und in den Vororten bekamen die Folgen der Müllkrise zu spüren. Monatelang versanken die Vororte in den Müllbergen, und die Berge voller Unrat sollen sich dort auch heute noch auf den Straßen und Fußgängerwegen stapeln. Die Müllkrise in Neapel hat sich sogar auf den Tourismus in Capri ausgewirkt: zum ersten mal seit 1945 blieben mehr als die Hälfte aller Hotels auf der Insel geschlossen.
Auch in Neapel selbst mussten Hotels und Restaurants schließen: das bekannte Restaurant "Caruso" hatte bereits Anfang März dicht gemacht, als niemand mehr Lust auf Pasta verspürte. Auch das Restaurant "Excelsior" hat die Müllkrise nicht überlebt, das "Continental" musste ebenfalls seine Tore schließen. Auch wenn inzwischen die Innenstadt wieder sauber ist - nur wenige Urlauber trifft man in diesen Tagen auf Neapels Straßen. Entsprechend schwach fällt der Umsatz aller Hotel- und Restaurantbetreiber aus. Hoteliers vergleichen die Müllkrise mit einer Cholera-Epidemie in den siebziger Jahren, manche glauben sogar, dass die Müllkrise alles vorherige übertreffe.
Die Politik will das ramponierte Image Neapels nun wieder herstellen: eine gezielte PR-Kampagne - so hofft man - könnte wieder Besucher nach Neapel locken. "Wir wollen die klare Botschaft vermitteln, dass die Informationen über Neapel über Monate hinweg nur zum Teil stimmten - um nicht zu sagen: Sie waren komplett falsch", sagt Claudio Velardi, neuer Kommunikationschef für den Tourismus in der Region. Fast eine halbe Million Euro hätte die Regierung bereits für Kataloge, Werbung auf Webseiten, Plakate und Kooperationen mit Anbietern von Städtereisen ausgegeben.