01.04.2008
Silvio Berlusconi holt sich seinen Stiefel zurück
17. Mai 2006: Italien wählte Romano Prodi zum Ministerpräsidenten. Das zog seinem Vorgänger und Konkurrenten buchstäblich die Socken aus, doch kaum ist der Erzfeind Prodi von seinem wackligen Stuhl gefallen, will der 1,64 Meter große Silvio Berlusconi seinen geliebten Stiefel zurück.
Mit einer Körpergröße von 1,64 ist Silvio Berlusconi der kleine Gigant in der italienischen Politik. Er liebt die pure Selbstdarstellung, bläst sich wie manche Kröten in der Natur mächtig auf, um größer zu wirken und seine Feinde in die Flucht zu schlagen. Angeblich trage er meist 30 Zentimeter hohe Absätze, und sitze bei Banketts auf hohen Sitzkissen.
Ein großer Staatsmann und Mediengigant, der Probleme mit seinem 1,64 Meter kleinen Selbstwertgefühl hat? Genau das finden die meisten Italiener so sympathisch. Obwohl er für die meisten Nicht-Italiener das volle Klischee des klassischen Italieners bedient, scheinen ihn die Italiener noch nicht endgültig in bestimmte Schubladen einsortiert zu haben. Die neueste Umfrage zeigt: 50 Prozent der Befragten finden ihn sympathisch.
In Italien ist ein wahres "Umfragenfieber" ausgebrochen. Täglich veröffentlichen Medien neue Umfragen zur vorgezogenen Parlamentswahlen am 13. und 14. April. Der Tageszeitung "La Repubblica" zufolge könnte die "Partei der Freiheit" um Oppositionschef Berlusconi 37 Prozent erreichen. Die Partei wird aus der Fusion von Berlusconis Forza Italia und der Alleanza Nazionale um Gianfranco Fini entstehen. Wie italienische Medien berichten, sei Berlusconi demnach der klare Favorit für die Neuwahlen. Er könnte sogar ohne die christdemokratische Partei UDC regieren, die derzeit noch den Beitritt in die „Partei der Freiheit“ überlegt. Umfragen zufolge könnte die UDC vier Prozent der Stimmen erhalten.
Berlusconi selbst hat bislang immer gezeigt, dass er ganz individuelle Wege geht, um Platz zu nehmen auf Italiens Thron. So nutzt er das staatliche Fernsehen seit jeher für seine Zwecke, korrumpierte die Staatsanwälte und schützte sich durch Sondergesetze vor den rechtlichen Folgen seiner eigenen Fehltritte. Im laufenden Wahlkampf verspricht der Politiker Steuererleichterungen und dass er darum kämpfen werde, das schlechte Ansehen Italiens in der Welt zu verbessern.
Mit ganz anderen Versprechen will Walter Veltroni an die Macht. Der Schwerpunkt seiner politischen Botschaft liegt auf einem gesellschaftlichen Wandel, einer Änderung der gesamten politischen Kultur, die er herbeiführen will. «Italien muss die zurückliegenden 15 Jahre von Streit und Konflikt überwinden».