14.04.2008
Lebensmittelkrise: Auf dem Weg ins Elend?
Die Lebensmittelpreise explodieren weltweit, auch in Deutschland müssen die Bürger deutlich mehr für ihr täglich Brot ausgeben. Was hierzulande nur schmerzt, entwickelt sich in der Dritten Welt zu einer Katastrophe. Angesichts der weltweit gestiegenen Preise für Grundnahrungsmittel haben Internationaler Währungsfonds (IWF) und Weltbank vor gewaltsamen Unruhen in zahlreichen Ländern gewarnt.
Grob geschätzt drohten rund 100 Millionen Menschen in den unterentwickelten Staaten ins "Elend" abzurutschen, sagte Weltbank-Direktor Robert Zoellick am Ende der Frühjahrstagung der Institutionen in Washington. Dem von Hungerunruhen erschütterten Haiti sagte die Weltbank eine Soforthilfe von zehn Millionen Dollar (rund 6,3 Millionen Euro) zu. Der Entwicklungsausschuss der Weltbank forderte eine Strukturreform zu Gunsten der Entwicklungs- und Schwellenländer.
33 Länder könnten wegen der gestiegenen Lebensmittelpreise von sozialem Chaos und politischen Unruhen heimgesucht werden, erklärte die Weltbank. Die Entwicklung könne etwa 100 Millionen Menschen ins Elend abrutschen lassen und bedrohe zugleich das Wohlergehen "zukünftiger Generationen", betonte Zoellick. Er warb bei den reichen Staaten dafür, bis zum 1. Mai 500 Millionen Dollar für Hilfsprogramme des Welternährungsprogramms (WFP) bereitzustellen. Für rund die Hälfte dieser Summe lägen bereits Zusagen vor, jedoch sei dies "nicht genug". Das Welternährungsprogramm stellt mit Hilfsprogrammen in 78 Ländern die Ernährung von 73 Millionen Menschen sicher.
Wegen der Hungerunruhen in Haiti sagte die Weltbank dem Karibikstaat eine Soforthilfe von zehn Millionen Dollar zu. Eine Expertengruppe soll in den kommenden Tagen nach Haiti reisen, um mit den dortigen Behörden über ein Krisenprogramm zu beraten. Bei den Unruhen in Haiti waren in den vergangenen Tagen fünf Menschen getötet und 200 verletzt worden.
Auch IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn hatte am Samstag vor gefährlichen Konsequenzen steigender Lebensmittelpreise gewarnt. Gewalttätige Proteste gegen die Verteuerung von Grundnahrungsmitteln gab es zuletzt auch in Ägypten, Kamerun, der Elfenbeinküste, Mauretanien, Äthiopien, Madagaskar, den Philippinen und Indonesien. Die Hilfsorganisation Oxfam warnte: "Es ist gut, die Lebensmittelkrise oben auf der politischen Agenda zu sehen, aber das ersetzt nicht die Hilfszahlungen."
Der Entwicklungsausschuss der Weltbank forderte zur besseren Einbindung der Entwicklungs- und Schwellenländer eine Strukturreform nach dem Vorbild des IWF. Es sei wichtig, "die Stimmen und die Beteiligung aller Entwicklungs- und Schwellenländer zu erhöhen", hieß es in einer Erklärung des Gremiums. Bereits bei der Herbsttagung solle die Weltbank-Führung konkrete Reformvorschläge vorlegen.