15.04.2008

Lebensmittelkrise: Die Welt nagt am Hungertuch

Lebensmittelkrise: Die Welt nagt am HungertuchDie Lebensmittelpreise explodieren weltweit, auch in Deutschland müssen die Bürger deutlich mehr für ihr täglich Brot ausgeben. Was hierzulande nur schmerzt, entwickelt sich in der Dritten Welt zu einer Katastrophe. Mehr als 100 Millionen Menschen drohen ins Elend abzurutschen. Experten glauben zudem, dass der Klimawandel die zusätzlich verschlimmern werde.






Grob geschätzt drohten rund 100 Millionen Menschen in den unterentwickelten Staaten ins "Elend" abzurutschen, sagte Weltbank-Direktor Robert Zoellick am Ende der Frühjahrstagung der Institutionen in Washington. Dem von Hungerunruhen erschütterten Haiti sagte die Weltbank eine Soforthilfe von zehn Millionen Dollar (rund 6,3 Millionen Euro) zu. Der Entwicklungsausschuss der Weltbank forderte eine Strukturreform zu Gunsten der Entwicklungs- und Schwellenländer.

33 Länder könnten wegen der gestiegenen Lebensmittelpreise von sozialem Chaos und politischen Unruhen heimgesucht werden, erklärte die Weltbank. Die Entwicklung könne etwa 100 Millionen Menschen ins Elend abrutschen lassen und bedrohe zugleich das Wohlergehen "zukünftiger Generationen", betonte Zoellick. Er warb bei den reichen Staaten dafür, bis zum 1. Mai 500 Millionen Dollar für Hilfsprogramme des Welternährungsprogramms (WFP) bereitzustellen. Für rund die Hälfte dieser Summe lägen bereits Zusagen vor, jedoch sei dies "nicht genug". Das Welternährungsprogramm stellt mit Hilfsprogrammen in 78 Ländern die Ernährung von 73 Millionen Menschen sicher.

Experten glauben sogar, dass der Klimawandel das Elend weiter verschlimmern könnte. Bereits im November vergangenen Jahres warnte eine britische Studie vor dem Klimawandel und dessen Folgen: Flüchtlingsströme, Kriege, Hungersnöte. Fast drei Milliarden Menschen sind demnach von bewaffneten Konflikten bedroht. Die Londoner Forschergruppe International Alert hat jetzt ihren Report "A Climate of Conflict" vorgestellt. In 46 Staaten mit insgesamt 2,7 Milliarden Einwohnern "werden die Folgen des Klimawandels zu einem hohen Risiko bewaffneter Konflikte führen", heißt es darin. In weiteren 56 Staaten mit 1,2 Milliarden Einwohnern würden die Effekte der globalen Erwärmung politische Instabilitäten auslösen. Gerade die armen Länder dieser Welt sollten davon betroffen sein.

Gerade Asien könnte von den Konflikten um Wasser oder Nahrung heimgesucht werden. Die Wasserwirtschaft in Asien als einer der gefährlichsten Aspekte der globalen Erwärmung, das das Himalaya neben der Arktis zu den Gebieten der Welt, die sich am schnellsten erwärmen. Millionen Menschen wären erst von Überflutungen und dann von Wassermangel bedroht. Die Londoner Experten erwarten ähnliche Bilder in weiten Teilen Südamerikas. So zum Beispiel in Peru. Die Anden-Gletscher seien voraussichtlich bis 2015 verschwunden und 27 Millionen Menschen haben dann kein Trinkwasser mehr, heißt es in der Studie. Wenn das Trinkwasser knapp wird, dann ist die Nahrungsversorgung durch die Landwirtschaft nicht mehr gewährleistet. Die Folgen: Konflikte mit den Nachbarstaaten Ecuador und Chile, Chaos, Konflikte und Massen-Emmigration.

In Bangladesh könnte es ebenfalls zu Hungersnöten kommen. Die Klimaänderungen haben dort bereits zu Konflikten geführt. Überschwemmung durch den Klimawandel haben tausende Hektar Farmland zerstört In Asien, insbesondere in Indien und Bangladesch, pumpen Bauern das Wasser mit Diesel-Generatoren auf ihre Felder. Können sie den Treibstoff nicht mehr bezahlen, könnte es zu Hungersnöten und Unruhen kommen. Da Öl nicht nur zu Treibstoffen, sondern auch zu Materialien wie Asphalt und Kunststoffen verarbeitet wird, hängt praktisch die gesamte Weltwirtschaft am Öltropf.

Der Kampf um die Ressourcen des Planeten könnte gar der Globalisierung ein baldiges Ende bereiten - und das schon bis 2040, wie eine aktuelle Studie des Washingtoner Center for Strategic & International Studies (CSIS) besagt. An die Stelle des freien Handels in einer ressourcenreichen Welt werde womöglich schon bald ein brutaler Verteilungskampf um die schwindenden Schätze des Planeten beginnen.

Angesichts der schweren Nahrungsmittelkrise hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die Staatengemeinschaft zu umfassenden Maßnahmen aufgefordert. Die Nahrungsmittelkrise habe das Ausmaß eines Notfalls angenommen, sagte Ban in New York. Gefragt seien aber nicht nur Notfall-Maßnahmen, um kurzfristig in vielen Weltregionen Hunger zu verhindern, sondern auch langfristige Lösungen für eine grundlegende Erhöhung der Produktivität in der Getreideerzeugung. Die USA stellen angesichts der weltweiten Lebensmittelkrise 200 Millionen Dollar (126 Millionen Euro) Soforthilfe für Nahrung zur Verfügung.

Die internationale Gemeinschaft müsse "dringend" und "konzertiert" handeln, um zu verhindern, dass die Krise Auswirkungen auf Politik und Sicherheit habe, sagte Ban. Der UN-Generalsekretär äußerte sich während eines Treffens mit Vertretern des Wirtschafts- und Sozialrates der Vereinten Nationen (Ecosoc), der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Welthandelsorganisation (WTO) und der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD).




Klicken Sie hier, wenn Sie weitere Meldungen vom 15.04.2008 lesen möchten.


Passende Meldungen aus anderen Ressorts:
USA: Wirtschaftskrise und Machtwechsel
„Jede Schöpfung ist ein Wagnis“
"Bravo" veröffentlicht Poster von Barack Obama
iPhone-Nutzer treiben mobiles Internet an
Sarkozy: Feuerwehrmann für die Industrie?
Finanzkrise: Trichet ruft Händler zur Ordnung
Island vor dem Staatsbankrott
Zentralbanken senken weltweit Leitzinsen
Computer machen Schüler schlau
Urknall-Experiment: Wie Gott in der Schweiz





Binderdatasystems.com  
  Startseite | 7 - Tage - News | Newsarchiv | Livesuche | Index A -Z | Impressum | aktivrechner.de