23.04.2008
Uri Geller Show: Wenn ein Scharlatan nicht reicht
Schon wieder: Ein neuer Uri Geller reicht Pro Sieben leider noch nicht aus, auch sogenannte Mentalisten gibt es im Überfluss. So bleibt Uri Geller ein wichtiges Show-Zugpferd von ProSieben. 2009 gibt es die Neuauflage von "The Next Uri Geller". Dass Geller dabei selbst schon oft beim schummeln erwischt wurde, scheint Pro Sieben nicht weiter zu stören.
Mit "The Next Uri Geller" sucht ProSieben einen Nachfolger für den Meister der Löffverbieger und "Mentalisten". Dass Uri Geller dabei schon mehrmals beim schummeln ertappt wurde, scheint Pro Sieben kalt zu lassen: Magie ist das Zauberwort. "The Next Uri Geller" ist eine Kopie: Die Originalversion des Geller-Nachfolge-Castings läuft im israelischen Fernsehen unter dem Titel "The Successor". Darin allerdings kam es zu einem peinlichen Vorfall für den Meister aller Mentalisten: Geller wollte allein durch seine Gedankenkraft einen Kompass beeinflussen. Zu dumm nur, dass die Kamera gerade im falschem Moment auf Gellers Gesicht hielt, anstatt den Kompass zu zeigen: Er holte einen kleinen Gegenstand hinter dem Ohr hervor - vermutlich einen Magneten - und klebte ihn an seinen linken Daumen. Anschließend war er in der Lage, einen Kompass zu beeinflussen. Das Video tauchte auf der Video-Website YouTube auf.
Im Januar 1974 verbog Uri Geller erstmals Deutschlands Löffel: Bei seinem legendären Auftritt bei Wim Thoelke verformte er mit reiner Gedankenkraft Besteck und brachte defekte Uhren wieder zum Laufen. Schon damals flog der Schwindel auf: Der SPIEGEL etwa ließ den Israeli kurz nach seinem denkwürdigen Auftritt bei Thoelke eine Gabel zerlegen. Eine anschließende Prüfung des Bundesamts für Materialprüfung ergab, dass das Besteck mit Hilfe einer Chemikalie entzwei ging.
Prosieben unterbreitete den Kandidaten Verträge, in denen sie bestätigten sollten, über «ausgeprägte mentale und intuitive Fähigkeiten wie etwa Gedankenlesen, Telekinese, Suggestion oder Autosuggestion» zu verfügen. Die meisten verweigerten die Unterschrift. Diese Passage habe bei den Kandidaten der Show Widerstand hervorgerufen, da es in der Magier-Szene als verpönt gilt, zu behaupten tatsächlich über übersinnliche Kräfte zu verfügen. Der „Stern“ zitiert einen Casting-Teilnehmer: „Ich kann doch nicht schriftlich bestätigen, Dinge mit meinen Gedanken bewegen zu können. Diese Fähigkeit habe ich nicht und auch keiner der anderen Kandidaten.“
Manche Trickkünstler finden den Schwindel derart schamlos, dass sie nun bewusst die eherne Regel ihrer Zunft brechen, niemals das Geheimnis eines Kunststücks zu lüften. Der deutsche Trickkünstler und Rechtsanwalt Mark Schmidt und der berühmte kanadische Magier James Randi entzaubern die Show, indem sie im Internet alle gezeigten Kunststücke genau erklären. Sie halten die Aufklärung des Publikums für wichtiger als die Standesregel. Andere Zauberer entlarven die meisten Tricks auf youtube optisch.
Der Sieger der ersten Stunde ist der «Rabenvater», wie Raven sich selbst gern nennt. Er hatte sich beim Finale der «Next Uri Geller»-Show als bester Mentalist der Bundesrepublik und sogar der Welt durchgesetzt. Im Moment des Triumphes huschte dann auch endlich ein kleines Lächeln über Vincent Ravens Gesicht. Der Magier mit den blonden Walle-Locken und Pokerface behauptete, dass er über seinen Raben Kontakt mit dem Jenseits aufnehmen kann und demnach seinem Vogel „Corax“ als Medium dienen könne. Der wiederum war fast immer mehr damit beschäftigt auf die glitzernden Lackstöckelschuhe und silberne Anhänger der Gäste zu starren, flog meist auf einen kurzen Abstecher ins Publikum: zu schönen und glitzernden High-Heels? Nein, der mystische Rabe war einfach nur zu aufgeregt und vom vielen Stress der letzten Shows mitgenommen.