25.04.2008
Malaria: Alle 30 Sekunden stirbt ein Kind
Malaria ist eine der schlimmsten Geißeln der Menschheit. Zusammen mit HIV/Aids und Tuberkulose stellt sie vor allem in Entwicklungsländern eines der größten Gesundheitsprobleme dar. Schätzungen zufolge sind weltweit mehr als drei Milliarden Menschen von der Infektion bedroht. Jedes Jahr sterben bis zu drei Millionen Menschen an Malaria. Wie so oft, sind besonders Frauen, alle 30 Sekunden stirbt ein Kind an Malaria.
Ein Moskitonetz für ein oder zwei Euro könnte Millionen Menschen vor Malaria schützen. Trotzdem verbreitet sich die Seuche immer weiter. Der Welt-Malaria-Tag ersetzt seit 2001 den Afrika-Malaria-Tag, denn schon lange kämpft nicht nur der Schwarze Kontinent gegen den unsichtbaren Feind namens Malaria. Auch Lateinamerika und Asien leiden unter der Tropenkrankheit, der Klimawandel sei zudem eine Gefahr für die Zukunft: die übertragenden Anopheles-Mücken befinden sich auf dem Weg nach Norden und bringen damit immer mehr Menschen in Gefahr. Jedes Jahr sterben bis zu drei Millionen Menschen an Malaria. Wie so oft, sind besonders Frauen, alle 30 Sekunden stirbt ein Kind an Malaria.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon übertreibt also nicht, wenn er Malaria als Geisel der Menschheit in Entwicklungsländern bezeichnet. Er will bis 2010 alle Menschen auf der Welt vor Malaria schützen. Zurzeit fehlen nach Angaben des Bündnisses „Roll Back Malaria“ allerdings noch immer zwei Drittel der Gelder, die für ein effektives Vorgehen gegen die Krankheit nötig wären. Mit dem ersten Welt-Malaria-Tag am Freitag will das vor 10 Jahren von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ins Leben gerufene Bündnis die Aufmerksamkeit auf das Thema Malaria lenken. Gegenwärtig leben nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef 40 Prozent der Weltbevölkerung in Regionen, in denen Malaria verbreitet ist. Dabei kommen die Erreger in mehr als 107 Ländern vor. Afrika südlich der Sahara ist am stärksten betroffen.
Die Bundesrepublik Deutschland gibt nur etwa ein Siebtel des für sie angemessenen Beitrags aus, um den globalen Bedarf für die Tuberkuloseforschung zu decken. Zu diesem Ergebnis kommt der Report "Forschungszwerg Deutschland - kaum Mittel für vernachlässigte Krankheiten", den Ärzte ohne Grenzen in Berlin vorgestellt hat. "Deutschland wird seiner Verantwortung nicht gerecht", kritisierte Oliver Moldenhauer von der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. "Als Land mit der drittstärksten Wirtschaftskraft der Welt und mit großen Forschungskapazitäten muss Deutschland seine öffentliche Forschungsförderung für Tuberkulose, Malaria und vernachlässigte Tropenkrankheiten massiv erhöhen", forderte Moldenhauer. "Andere europäische Länder leisten in diesem Bereich jetzt schon mehr."
Jahr für Jahr sterben weltweit drei Millionen Menschen an Malaria und Tuberkulose, eine Milliarde Menschen leiden an vernachlässigten Tropenkrankheiten. Dazu gehören unter anderen die Schlafkrankheit, Kala Azar sowie verschiedene Wurmkrankheiten. Dem Bericht zufolge gab die deutsche Bundesregierung im Jahr 2007 nur 20,7 Mio. Euro für die Forschung an den genannten Krankheiten aus. Dies zeigt die Analyse von mehr als 90 Einzelforschungsprojekten und der institutionellen Förderung der in diesem Bereich tätigen Forschungsinstitute.
Auf die Tuberkuloseforschung entfielen demnach im Jahr 2007 nur 7,5 Mio. Euro. Nach Berechnungen von ÄRZTE OHNE GRENZEN müsste Deutschland jährlich allerdings 62,8 Mio. Euro für Forschung an Tuberkulose ausgeben. Dies wäre angesichts des Bedarfs weltweit und der Wirtschaftskraft der Bundesrepublik angemessen. Für Malariaforschung stellte die Bundesregierung im vergangenen Jahr 9,0 Mio. Euro bereit, für die vernachlässigten Tropenkrankheiten nur 4,3 Mio. Euro.
"Das ist viel zu wenig angesichts dessen, was notwendig wäre", betonte Prof. Stefan Kaufmann, Direktor am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie, der das Vorwort für den Report geschrieben hat. "Durch Tuberkulose, Malaria und die völlig vernachlässigten Tropenkrankheiten gehen jedes Jahr knapp 140 Millionen Lebensjahre in Gesundheit verloren. Für die Wirtschaft besonders in armen Ländern ist das fatal und behindert deren Ausstieg aus der Armut", so Kaufmann.