20.06.2008
Gewinn mit System: Deutschland im Siegestaumel
Hinter seiner schwarz-rot-goldenen Bemalung ist Friedi im absoluten Siegestaumel. Sein großes Abenteuer geht weiter - dank des Einzugs der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ins EM-Halbfinale. Der Schwabe ist seit zwei Wochen mit vier Kumpels auf Tour. Sie begleiten die deutsche Elf zu allen EM-Spielen, mit ihrem eigens umgebauten «German EM Bus 2008» und in gezielter «Mission»: «Freude und Party zu verbreiten». Davon gibt es nach dem spannenden Viertelfinalspiel in Basel am Donnerstagabend genug. Die ganze Stadt feiert und die Jungs aus Reinstetten bei Ulm mittendrin.
Auf ihrem Bus, dessen Dach zur Party-Zone umfunktioniert wurde, liegen sich Portugiesen und Deutsche in den Armen. Aus riesigen Lautsprechern dröhnt Musik, von unten jubeln die Fans den Bus-Gästen zu. «Expect emotions», steht auf dem Gefährt, das so liebevoll lackiert ist, dass es auch eine Werbeaktion sein könnte. Der Slogan ist Programm. «Wir leben Fußball», begeistert sich Friedi, der außerhalb seines Freundeskreises Reinfried Hampp heißt, ehe er zu einem Vortrag über Idealismus, Leidenschaft und Freundschaft ansetzt. Die ganze Clique, so erzählt er, alle «so um die 40» spiele gemeinsam Fußball, schon seit der Schulzeit. Sie kennen sich, seit sie klein waren. Sie sind «on Top», findet Friedi und meint damit: «nicht Durchschnitt». Und jetzt wollen sie einfach gute Stimmung machen, «mit den Leuten feiern».
Die Idee mit dem Bus kam den Jungs, nachdem sie bei der Bewerbung um Fußballkarten leer ausgegangen waren. «Irgendwas Besonderes» hätten sie dann machen wollen, berichtet Klaus Haas, den seine Kumpels «Hasi» nennen. «Das ist uns glaub ich auch gelungen», sagt er. Jetzt ähnelt der Bus innen wegen seines grünen Teppichs einem Fußballfeld. Eine Sitzecke mit Tisch kann zur Schlafzone umgebaut werden und über eine Luke gelangt man nach oben, in die Party-Zone. Bis zu 40 Leute Winken, Tanzen und Feiern dort zusammen.
Irgendwas zwischen 20 000 und 30 000 Euro hat der Bus gekostet, erzählt Friedi, genauer will er darauf nicht eingehen. Eintritt müsse aber trotzdem niemand bezahlen, denn die Jungs «wollen ja Liebe verbreiten». Bei diesen Worten kreischt ein Mädchen hinter ihm gerührt: «Jetzt muss ich weinen.» Sie berichtet von ihrer vierstündigen Feier auf dem Dach des EM-Busses und brüllt: «Das ist so geil.» Oben hüpfen sie gerade zu einem Wolfgang-Petry-Song, das Gefährt auf dem Basler Barfüsserplatz schaukelt im Takt.
Hasi gibt den DJ. Er lugt verschmitzt hinter seiner Brille hervor, seine Haare sind in die drei Deutschlandfarben unterteilt. Er habe «noch nie so viel in so kurzer Zeit erlebt», berichtet er über die Tour. Auf das beste Erlebnis können sie sich eigentlich gar nicht einigen. Das seien so viele gewesen, sagt Friedi. Als VIP-Zuschauer bei einem Bodypainting-Damenfußballspiel gewesen zu sein, werten sie beispielsweise einen ziemlichen Kracher.
Auch die Feier in Basel am Donnerstag ist ein Höhepunkt. Die Deutschen ziehen bemalt und mit Hüten grölend durch die Straßen. «Die machen schon gut Stimmung», gesteht ein Schweizer ein, aber die sei auch bei den Spielen seiner Nationalmannschaft gut gewesen. Vor dem Partybus bildet sich eine Schlange. Rein darf fast jeder, aber ohne Bier. «Wir wollen hier keine Besoffenen, keine Hooligans, nur nette Leute», sagt Friedi. Der Nachmittag ist für die Jungs aus Schwaben immer noch «Stress pur», stöhnt Hasi. Schließlich müssten sie aufpassen, dass ihnen keiner den Bus demoliert. Die große Erleichterung komme nach dem Spiel. Dann geht es auf den Autokorso und dann holt sich jeder ein Bier.