Sicher, die Fakten geben Anlass zur Sorge: 70 Milliarden sollen die Folgen falscher Ernährung das Gesundheitssystem kosten, immer mehr Kinder erkranken an Diabetes, zwei Drittel der deutschen Männer und die Hälfte der Frauen gelten als zu dick, Essstörungen bei Jugendlichen nehmen zu. Hier 30 Millionen Euro für einen nationalen "Abspeckplan" auszugeben, scheint vergleichsweise gut angelegtes Geld zu sein.
Zu befürchten ist aber, dass die Kampagne ebenso verpufft, wie
zahlreiche andere zuvor. Wer Burger liebt, Alkohol trinkt oder Tabak
qualmt wird sich durch Appelle kaum daran hindern lassen. Auch wenn
es für die Politik unbequem ist: Jeder Mensch hat die Freiheit, sich
selbst zu schädigen - doch könnte man es ihm dabei ein wenig schwerer machen. Wüsste er genauer, was er zu sich nimmt, hätte er immerhin die Freiheit der Wahl.
Doch nach wie vor weigert sich die Lebensmittelindustrie, auf
ihren Verpackungen klar und verständlich anzugeben, was drin ist.
Eine simple Ampelkennzeichnung - rot: hohe Werte für Fett, Zucker
oder Salz, gelb: mittel, grün: gering - hat sich in Großbritannien
bewährt. Doch in Deutschland sträubt sich die Industrie, das System
zu übernehmen, und Gesundheitsminister Seehofer unterstützt lieber
den neuen Aktionsplan, als den Unternehmen auf die Füße zu treten. Er setzt auf eine freiwillige Einigung bei den Kennzeichnungsregeln.
Untersuchungen von Verbraucherschutzorganisationen zeigten, wie
irreführend die bestehenden Angaben sind. Da blicken nur wenige
durch, die Vergleiche fallen schwer. Und wo Bio, Vollkorn oder
Wellness drauf steht, ist oft jede Menge Zucker drin. Auch viele als
gesunde Fitmacher beworbene Lebensmittel für Kinder - Jogurts, Säfte, Frühstücksflocken, Limonaden, Würstchen, Fertiggerichte - sind häufig
zu süß, zu fettig oder zu salzig. Das ist weder gesund, noch macht es
fit, sondern nur dick. Eine simple Rot-Gelb-Grün-Kennzeichnung würde
dem Verbraucher auf einen Blick deutlich machen, was er da zu sich
nimmt. Wenn er es trotzdem isst, bitteschön.
Quelle: WAZ