01.07.2008
Mehr Sorgfalt mit Paracetamol
Größere Packungen des beliebten Schmerzmittels Paracetamol gibt es ab 1. April 2009 nur noch auf Rezept. Hintergrund sind neue Erkenntnisse über die Häufigkeit von Leberschäden als Nebenwirkung. Das Schmerzmittel ist die häufigste Ursache für akutes Leberversagen.
Ab dem 1. April 2009 werden Schmerz- und Fiebermittel mit dem Wirkstoff Paracetamol verschreibungspflichtig, wenn in einer Packung mehr als 10 Gramm Paracetamol enthalten sind. Dieser neuen Regelung hat der Bundesrat am Freitag zugestimmt. "Richtig angewendet ist Paracetamol ein empfehlenswertes Schmerz- und Fiebermittel und auch für Kinder weiterhin geeignet. Die Höchstdosis darf aber nicht überschritten werden. Um Nebenwirkungen zu vermeiden, sollten Patienten die Beratungsangebote der Apotheken noch besser nutzen als bisher", sagt Prof. Dr. Martin Schulz, Geschäftsführer Arzneimittel der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.
Privatdozent Dr. Ali E. Canbay, Leberspezialist an der Universitätsklinik Essen, wo dieser Zusammenhang nachgewiesen wurde, hält das Medikament aber nach wie vor für ein gutes, sicheres Schmerzmittel. Man dürfe es allerdings nicht überdosieren, betont er im Apothekenmagazin "Baby und Familie". Die empfohlene Grenze für Erwachsene liegt bei vier Gramm in 24 Stunden. "Solange der Patient gesund ist, passiert nichts", erklärt Canbay. "Aber wenn er Alkohol getrunken hat, übergewichtig ist oder das Medikament über mehrere Tage nimmt, kann die Leber die Stoffe nicht mehr richtig abbauen." Dann könne bereits die zulässige Höchstdosis zu Leberversagen führen. Für Kinder liegt diese Grenze deutlich niedriger. Eltern sollen sich immer bei ihrem Arzt oder Apotheker erkundigen, welche Dosis für ihr Kind gilt.
Grundsätzlich sollten Schmerzmittel ohne ärztliche Verordnung nicht länger als drei Tage hintereinander und nicht häufiger als an zehn Tagen pro Monat eingenommen werden. Alle Schmerzmittel unterliegen aus Gründen des Verbraucherschutzes der Apotheken- oder Verschreibungspflicht. Außerdem wurden aus Sicherheitsgründen die offiziellen Dosierungsempfehlungen für Paracetamol vor kurzem nach unten korrigiert. Apotheker Dr. Martin Schulz: "Patienten sollten sich vor allem bezüglich der richtigen alters- bzw. körpergewichtsabhängigen Dosis in der Apotheke informieren."
Paracetamol fehlt in kaum einer Hausapotheke. In Büroschubladen findet man das Schmerzmittel wie auch in Damenhandtaschen. Dass sowas zu akutem Leberversagen führen kann - vielleicht sogar zum Tod? Bevor jetzt Angst und Panik herrscht, sei gesagt: Nicht die gelegentliche Einnahme ist das Problem. Die Gefahr besteht in der Überdosierung, so haben Wissenschaftler herausgefunden. Das wirkliche Problem ist: Mittel wie Paracetamol gegen Kopfweh werden eingeworfen wie Pfefferminz gegen Mundgeruch. Unbekümmert übt sich der Verbraucher in der Selbstmedikation.
Schmerzmittel sollten nur nach einer individuellen Beratung durch den Apotheker eingenommen werden. „Schmerzmittel werden häufig unkritisch angewendet – teilweise mit schwerwiegenden Folgen für die Gesundheit“, warnt Apotheker Dr. Martin Schulz, Geschäftsführer Arzneimittel der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. „Alle Schmerzmittel unterliegen der Apothekenpflicht. Deshalb sollten sich Verbraucher in der Apotheke auch zu vermeintlich harmlosen Wirkstoffen beraten lassen. “ Das gilt besonders für Kinder, Schwangere oder Stillende, wenn Krankheiten wie Asthma oder Leberschäden bestehen oder wenn gleichzeitig andere Arzneimittel eingenommen werden.
Auch bei rezeptfrei erhältlichen Wirkstoffen sind Nebenwirkungen und Gegenanzeigen zu beachten. Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Diclofenac können Magen und Darm schädigen. Paracetamol ist auch in einigen Kombinationsmitteln gegen Erkältungen enthalten, so dass es bei gleichzeitiger Einnahme verschiedener Arzneimittel zu einer unbeabsichtigten Überdosierung mit Leberschäden kommen kann.