01.07.2008

Nokia-Werk: Kein gutes Signal

Nokia-Werk: Kein gutes SignalMit der offiziellen Schließung des Nokia-Handy-Werkes in Bochum-Riemke ist gestern nicht nur das Kapitel "Nokia in Bochum" zu Ende gegangen. Hier ist quasi auch ein Geschichtsfilm gerissen: Seit Mitte der 1950er Jahre konnten an dieser Stelle in Bochum immer wieder neue Kapitel für die Dauerserie "Strukturwandel" aufgenommen werden.






Stets war man seiner Zeit voraus. Noch vor Ausbruch der Kohlekrise ging 1956 in Riemke die modernste TV-Gerätefabrik Deutschlands an den Start. Später wurden auch Stereoanlagen und Kassetten-Rekorder gebaut. Als der finnische TV-Konzern Nokia 1988 in Bochum ankam, produzierte er zudem auch Videorekorder. Die Zeit der Handys kam erst vor 15 Jahren. Um die Jahrtausendwende war das Ruhrgebiet dann mit Nokia in Bochum und Siemens in Kamp-Lintfort die Handy-Hochburg mit 20 Prozent der Weltproduktion. Jetzt hat dieser globale Erfolg sich ins Gegenteil verkehrt. Die weltweite Konkurrenz hat den Vorzeigeplatz für Strukturwandel ins Abseits rutschen lassen. Kein gutes Signal.

Das Unternehmen hatte im Januar angekündigt, mehr als 4000 Jobs nach Osteuropa zu verlagern. Das hatte massive Proteste ausgelöst. Die Produktion war bereits im Mai eingestellt worden. Nokia hat insgesamt Subventionen in Höhe von rund 88 Millionen Euro für das Werk in Bochum erhalten. Das Land hatte davon 60 Millionen Euro wegen Verstößen gegen die Subventionsrichtlinien zurückgefordert. Ende April hatten der finnische Mobilfunkkonzern und die Vertreter der Arbeitnehmer Verhandlungen über einen Interessenausgleich abgeschlossen. Rund 185 Millionen Euro fließen demnach in Abfindungen für die Beschäftigten.

Von den ursprünglich 2300 Beschäftigten werden rund 250 Mitarbeiter in der unter neuer Leitung weitergeführten Abteilung Automotive Business Line (ABL), die Handyzubehör für Autos fertigt, weiter Beschäftigung finden. Darüber hinaus wird erwartet, dass Nokia-Beschäftigte beim kanadischen Blackberry-Hersteller RIM neue Anstellungen finden. RIM will in Bochum sein europäisches Forschungs- und Entwicklungszentrum errichten und mittelfristig bis zu 500 Arbeitsplätze schaffen. Überdies würden derzeit noch von Nokia und der Landesregierung weitere Gespräche mit potenziellen Investoren geführt, sagte Achenbach. Sie hoffe, dass weitere Unternehmen in Bochum aktiv werden und am Standort investieren.

Nokia hatte Mitte Januar die Schließung des Bochumer Werks angekündigt, weil die Produktion in eine neue Fabrik in Rumänien verlagert wird. Die Schließung hatte bundesweit für Diskussionen gesorgt. In Bochum kam es zu zahlreichen Demonstrationen. Nach Verhandlungen mit Betriebsrat und IG Metall hatte sich der finnische Handy-Hersteller bereiterklärt, rund 200 Millionen Euro für die Schließung des Werks bereit zu stellten. Nokia hatte seit 1989 in Bochum Mobiltelefone produziert.

Einen Tag vor der offiziellen Schließung des Bochumer Nokia-Werkes ist am Sonntag auf dem Werksgelände ein großes Fest über die Bühne gegangen. Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Silvano Guidone sprach auf ddp-Anfrage von mehreren Tausend Teilnehmern. Mit dem Fest wolle sich der Betriebsrat bei allen für ihre Anteilnahme und Unterstützung beim Ringen um künftige Perspektiven für die Nokia-Beschäftigten bedanken, sagte Guidone.




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