01.07.2008
Klonfleisch: Das doppelte Lendchen
Unbeachtet von der deutschen Öffentlichkeit hat die amerikanische US-Behörde für Lebensmittelsicherheit FDA kürzlich entschieden, dass Milch und Fleisch von geklonten Rindern, Schweinen und Ziegen sowie von deren Nachkommen für den menschlichen Verzehr unbedenklich seien.
Sie dürfen deshalb auch in den Handel gebracht werden - voraussichtlich sogar ohne ein Etikett mit der Aufschrift "100 Prozent Klonfleisch“. Das berichtet das Frankfurter Verbrauchermagazin ÖKO-TEST in seiner aktuellen Juli-Ausgabe.
Kommt Fleisch von geklonten Tieren also auch bald auf deutsche Teller? Fakt ist: Die Entscheidung der amerikanischen Behörde setzt Europa mächtig unter Druck. Denn der Handel mit Fleisch und Rindersperma ist ein internationales Geschäft - und die Amerikaner reagieren auf etwaige Einfuhrverbote in der Regel sehr verschnupft. Andererseits gibt es hierzulande grundlegende Vorbehalte gegen das Klonen, allein die Vorstellung, das Steak eines geklonten Rindes auf dem Teller zu haben, dürfte bei vielen Deutschen Ekel verursachen.
In einem großen Bericht zum Thema Klonfleisch beschäftigt sich ÖKO-TEST sehr ausführlich mit dem Für und Wider des Klonens und hat die Hintergründe der aktuellen Entwicklung recherchiert. Damit bringen die Verbraucherschützer endlich ein überaus brisantes Thema in die Öffentlichkeit, das bald schon aktueller denn je sein wird. Denn auch bei den europäischen Behörden stehen die Zeichen für die Anerkennung des Klonens als landwirtschaftliche Erzeugungsmethode eher auf "grün" denn auf "rot".
Die EU-Lebensmittelbehörde (EFSA) hatte im Januar erklärt, es gebe aus wissenschaftlicher Sicht keine Bedenken gegen Klon-Lebensmittel. Sie könne keine Unterschiede in Zusammensetzung oder Nährwert zwischen dem Fleisch und der Milch gesunder geklonter Tiere und herkömmlicher Rinder und Schweine erkennen. Auch in den USA erklärte die Aufsichtsbehörde, sie habe keine Einwände gegen die Vermarktung von Fleisch geklonter Tiere.
Der Deutsche Bauernverband (DBV) lehnt das Klonen von Tieren nach wie vor strikt ab. Es sei nicht zu akzeptieren, wenn jetzt Fleisch von geklonten Tieren aus den USA in den europäischen Lebensmittelhandel kommen dürfe. Denn noch sei unklar, welche Folgen das Klonen als neue Züchtungsform für die Landwirtschaft und ihre Tierzucht habe. So sei für die Tierzucht in der europäischen Landwirtschaft die große genetische Vielfalt charakteristisch, die durch ein Klonen eingeschränkt werde. Auch beständen erhebliche ethische Bedenken, erklärte der DBV.
Die Diskussion über mögliche Importe von Fleisch von geklonten Tieren aus den USA wurde vor allem durch die jüngste Bewertung der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit aktuell. Danach wurde Fleisch von geklonten Tieren ausschließlich nach gesundheitlichen Gesichtspunkten bewertet. Der DBV fordert jedoch umfassende wissenschaftliche Untersuchungen und eine eingehende Diskussion in der Gesellschaft unter den Verbrauchern sowie in der Landwirtschaft über die Vor- und Nachteile des Klonens von Tieren.