Die explosionsartige Vermehrung von Schadcode hat Ralf Benzmüller, Leiter der G DATA Security Labs, nicht überrascht: „Online-Kriminalität ist zu einem industriellen Komplex herangewachsen, der sich an marktpolitischen Gesichtspunkten orientiert. So wie im produzierenden Gewerbe, sind arbeitsteilige Prozesse bei Online-Kriminellen gang und gäbe. Das Ergebnis sind hochleistungsfähige eCrime-Unternehmen, die Schadprogramme wie am Fließband produzieren können. Mit einer Abnahme der zur Zeit anhaltenden Malware-Flut rechnen wir daher nicht.
Der Wettkampf zwischen Online-Kriminellen und Antiviren-Herstellern hat in ungeahnter Weise an Schärfe zugenommen. 2008 hat bereits jetzt alle bisherigen Rekorde gebrochen und ein weiteres unerfreuliches Kapitel in der Geschichte des Internets geschrieben.“
Die Bedrohung durch präparierte Webseiten hat demnach deutlich zugenommen. Die von G DATA prognostizierte Verlagerung von Schadcode ins Internet ist längst Realität. Die Täter nutzen bei diesem Konzept Sicherheitslücken im Browser oder Web-Applikationen, wie z. B. Flash oder Adobe Reader. Entgegen landläufigen Vermutungen sind die meisten infizierten Webseiten selten in den „Rotlichtbezirken“ des Internets zu finden, sondern liegen auf populären Webservern.
Die Mehrzahl der neuen Schädlinge sind auf den Diebstahl von Anwender-Daten spezialisiert, wie z. B. Online-Banking-Daten, Kreditkarten-Informationen oder Zugangsdaten zu Online-Spielen. Durch Backdoors, die Hintertüren installieren, gelingt es den Angreifern, die komplette Kontrolle über den Rechner zu übernehmen und weiteren Schadcode einzupflegen bzw. den PC als Zombie in Botnetze einzubinden. Es ist daher nicht verwunderlich, dass diese Schadcode-Typen unangefochten die Top Five mit 75.027 Neuzugängen anführen.
Entwarnung hingegen für Besitzer von Smartphones: lediglich 41 neue Schädlinge in sechs Monaten.
Quelle: www.gdata.de/portal/DE/