24.07.2008

Klonfleisch: Das doppelte Lendchen

Klonfleisch: Das doppelte LendchenUnbeachtet von der deutschen Öffentlichkeit hat die amerikanische US-Behörde für Lebensmittelsicherheit FDA kürzlich entschieden, dass Milch und Fleisch von geklonten Rindern, Schweinen und Ziegen sowie von deren Nachkommen für den menschlichen Verzehr unbedenklich seien. Nun fällt heute in der Europäischen Union eine Vorentscheidung zum Verkauf von Fleisch und Milch von geklonten Tieren für den menschlichen Verzehr.






Kommt Fleisch von geklonten Tieren also auch bald auf deutsche Teller? Fakt ist: Die Entscheidung der amerikanischen Behörde setzt Europa mächtig unter Druck. Denn der Handel mit Fleisch und Rindersperma ist ein internationales Geschäft - und die Amerikaner reagieren auf etwaige Einfuhrverbote in der Regel sehr verschnupft. Andererseits gibt es hierzulande grundlegende Vorbehalte gegen das Klonen, allein die Vorstellung, das Steak eines geklonten Rindes auf dem Teller zu haben, dürfte bei vielen Deutschen Ekel verursachen.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) will verkünden, ob eine Freigabe wie in den USA unbedenklich ist. In der EU wird mit damit gerechnet, dass die EFSA "Zweifel" äußert. Das Expertenvotum ist Grundlage für eine erwartete Entscheidung der EU-Kommission, ob Lebensmittel aus geklonten Rindern, Schweinen und Ziegen in Europa auf den Markt kommen können. Europäische Ethik-Experten hatten im Januar Bedenken geäußert. Im Fall einer Nichtzulassung droht der EU ein Handelsstreit mit den USA. Bei den europäischen Behörden stehen die Zeichen für die Anerkennung des Klonens als landwirtschaftliche Erzeugungsmethode eher auf "grün" denn auf "rot".

Die EU-Lebensmittelbehörde (EFSA) hatte bereits im Januar erklärt, es gebe aus wissenschaftlicher Sicht keine Bedenken gegen Klon-Lebensmittel. Sie könne keine Unterschiede in Zusammensetzung oder Nährwert zwischen dem Fleisch und der Milch gesunder geklonter Tiere und herkömmlicher Rinder und Schweine erkennen. Auch in den USA erklärte die Aufsichtsbehörde, sie habe keine Einwände gegen die Vermarktung von Fleisch geklonter Tiere. Nach einer aktuellen Einschätzung der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit könnte Klonfleisch (EFSA) doch mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein. Die in Bologna ansässige Behörde habe ihre Meinung offenbar geändert, sagte eine mit der EFSA vertraute Person.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) lehnt das Klonen von Tieren nach wie vor strikt ab. Es sei nicht zu akzeptieren, wenn jetzt Fleisch von geklonten Tieren aus den USA in den europäischen Lebensmittelhandel kommen dürfe. Denn noch sei unklar, welche Folgen das Klonen als neue Züchtungsform für die Landwirtschaft und ihre Tierzucht habe. So sei für die Tierzucht in der europäischen Landwirtschaft die große genetische Vielfalt charakteristisch, die durch ein Klonen eingeschränkt werde. Auch beständen erhebliche ethische Bedenken, erklärte der DBV.

Die Diskussion über mögliche Importe von Fleisch von geklonten Tieren aus den USA wurde vor allem durch die jüngste Bewertung der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit aktuell. Danach wurde Fleisch von geklonten Tieren ausschließlich nach gesundheitlichen Gesichtspunkten bewertet. Der DBV fordert jedoch umfassende wissenschaftliche Untersuchungen und eine eingehende Diskussion in der Gesellschaft unter den Verbrauchern sowie in der Landwirtschaft über die Vor- und Nachteile des Klonens von Tieren.




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