04.08.2008

Insektenstiche: Mythos und Wahrheit

Insektenstiche: Mythos und WahrheitJetzt haben sie wieder Hochsaison: Stechmücken, Moskitos, Wespen. Alles, was stechen kann, macht vielen von uns Angst. Und hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Insektenstiche immer schlimmere Folgen haben. Dr. Michael Oertel, Allgemeinarzt und Allergologe vom Ärzteverbund MEDI Deutschland, kann das nicht bestätigen.






"Ganz allgemein kann man sagen, dass die Befürchtung, dass eine gefährliche Zunahme von Reaktionen auf Insektenstiche zu verzeichnen sei, eigentlich so nicht stimmt", erklärt der Allergologe Dr. Michael Oertel gegenüber Markenpost. Es gebt zwar immer wieder Häufungen von schwereren Reaktionen. Aus Sicht des Experten sei das aber eher ein jahreszeitliches Phänomen. Insgesamt sind die Folgen von Insektenstichen heute nicht schlimmer als vor 10 oder 15 Jahren.

Und was ist mit den Umweltgiften, von denen die Insekten heute angeblich viel mehr mit sich rumtragen als früher? "Das kann ich weder aus der Praxis bestätigen, noch gibt es dazu meines Wissens Untersuchungen, die diese Befürchtung bestätigen würden", erklärt der Experte weiter.

In der Regel brauchen wir uns also als Nicht-Allergiker keine allzu großen Sorgen zu machen, wenn wir von einer Mücke oder auch von einer Biene oder Wespe gestochen werden. So lange unser Körper "nur" mit einer lokalen Schwellung reagiert, heißt die wichtigste Regel: Nicht kratzen, sondern lieber kühlen. Beim Kratzen besteht die Gefahr einer Entzündung. Der Verdacht auf eine Allergie, so MEDI-Experte Dr. Oertel, beginnt da, wo der Körper als Ganzes auf den Insektenstich reagiert.

Wo der Mensch also eine Kreislaufreaktion zeigt: Beschleunigung des Pulsschlages, Schweißausbruch, eventuell auch dass die Atmung etwas schwerer geht. Und dann geht das Schritt für Schritt über in die schwerwiegenden Folgen, die einen Kreislaufzusammenbruch oder gar eine Schockreaktion nach sich ziehen können. Bei ersten Anzeichen, die in diese Richtung gehen, sollten Sie also unbedingt zum Arzt gehen. Dann ist ein Allergietest nötig, und je nach Grad der Empfindlichkeit kommt eine Hyposensibilisierung in Frage oder Sie bekommen ein Notfallset, das Sie dann immer dabei haben sollten. Wichtig auch, so Dr. Oertel: Insektenstiche vermeiden. Der Rat bei Mücken: wenn Sie in der Dämmerung draußen sitzen, tragen Sie lange Kleidung.

Der wichtigste Rat bei Wespen und Bienen betrifft Essen und Trinken im Freien. Denn es droht der Stich von innen in den Hals. "Der ist bei Kindern sehr gefährlich. Da ist es zum Beispiel ganz geschickt, nicht aus Dosen zu trinken, aus dem Glas sollte man mit einem Strohhalm trinken. Das sind geeignete Maßnahmen, um Kinder vor Stichen dieser Tiere zu schützen", erklärt Oertel weiter.

Auch vor anderen Insekten sollte man sich in Acht nehmen: Hornissen zum Beispiel, so der MEDI-Allergologe, sind nichts anderes als große Wespen mit ein bisschen mehr Gift. Die Geschichten, dass also ein bis drei Hornissenstiche einen Menschen umbringen und sieben ein Pferd, die seien absolut aus der Luft gegriffen.

Der wichtigste Tipp von MEDI-Allergologe Dr. Michael Oertel: "Wenn Ihr Körper nicht nur direkt an der Einstichstelle reagiert, sondern mit Symptomen wie beschleunigtem Puls oder Schweißausbrüchen, dann besteht der Verdacht auf eine Allergie. Und dann sollten Sie unbedingt zum Arzt gehen, denn je nach Heftigkeit der allergischen Reaktion kann das Ganze dann gefährlich werden".




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