21.08.2008
Vier Deutsche aus Unglücksmaschine vermutlich tot
Als gestern ein Flugzeug der spanischen Gesellschaft Spanair auf der Landebahn des internationalen Flughafens Barajas in Madrid verunglückte, befand sich auch eine vierköpfige Familie aus Deutschland in der Maschine. Nun gehen spanische Behörden davon aus, dass die vermisste Familie aus dem bayerischen Pullach bei dem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen ist.
"Wir haben von den spanischen Behörden Hinweise, dass unter den Todesopfern vier Deutsche sind", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Dies stehe aber unter dem Vorbehalt der endgültigen Identifizierung, die noch einige Tage dauern werde. Die Fluggesellschaft Spanair wehrte sich gegen den Verdacht des fahrlässigen Handelns. Experten untersuchten das Wrack der Maschine und die Flugschreiber. Eine offizielle Bestätigung gab es jedoch bis Donnerstagabend noch nicht, da die Identifizierung der 153 im Flammeninferno teilweise bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Leichen sich schwierig gestalte. Das Bundeskriminalamt hat derweil Spezialisten nach Madrid geschickt.
Auf der Passagierliste, die von der Fluggesellschaft Spanair ins Internet gestellt wurde, stehen vier deutsch klingende Name. Bei diesen handelt es sich laut Landeskriminalamt Bayern um eine Familie mit zwei Söhnen. Allerdings konnte die Polizei noch nicht sagen, ob die Familie den Flug tatsächlich antrat. Beamte der Münchner Polizei befanden sich bereits im Haus der Familie, um dort DNA-Material zu sichern. Dieses sollte über das Bundeskriminalamt an die spanischen Behörden als Hilfe zur Identifizierung weitergeleitet werden. Die Angehörigen der Familie werden laut LKA psychologisch betreut.
Nach Angaben des Forensischen Instituts Madrid wurden bislang 37 der 152 Todesopfer identifiziert. Unter diesen befinden sich nach Angaben der spanischer Nachrichtenagentur 14 Ausländer. Aufgrund des Zustands der verbrannten Leichen sei nur bei 56 der 152 Toten eine Identifikation mittels Zahnabgleich möglich. Bei den Übrigen müssten DNA-Vergleiche vorgenommen werden. Mit deren Ergebnissen sei in zwei Tagen zu rechnen.
Die Leichen wurden für die Identifizierung in eine riesige Halle auf dem Madrider Messegelände Ifema gebracht. Dort werden sie von 40 Forensikern untersucht. Bereits nach dem Bombenanschlag auf den Madrider Bahnhof Atocha im Jahr 2003 waren dort die sterblichen Überreste der Opfer zur Identifizierung aufbewahrt worden. Etliche Angehörige zog es am Donnerstag dort hin. Das spanische Königspaar besuchte den Ort, um ihnen ihr Beileid auszusprechen.
Beim Start vom Madrider Flughafen Barajas am Mittwochnachmittag war die Spanair-Maschine mit Ziel Gran Canaria kurz nach dem Abheben zu Boden gestürzt und in Flammen aufgegangen. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte das linke Triebwerk Feuer gefangen. Noch ist aber unklar, ob möglicherweise eine andere Ursache zu der Katastrophe führte. Zuvor war ein erster Start bereits wegen einer technischen Panne abgebrochen worden.
19 Passagiere haben das Unglück schwer verletzt überlebt und werden nun in mehreren Madrider Krankenhäuser behandelt. Einige schweben nach wie vor in Lebensgefahr.