25.08.2008

Müntefering: Mit rotem Faden zurück zur Macht

Müntefering: Mit rotem Faden zurück zur MachtDer SPD-Vorsitzende Kurt Beck sieht den früheren Parteichef Franz Müntefering künftig als Berater der deutschen Sozialdemokratie. Die «unterstützende, beratende Tätigkeit« Münteferings sei in der SPD »herzlich willkommen«, sagte Beck am Montag nach einer Präsidiumssitzung in Berlin und betonte: »Es ist ehrenwert, wenn man mit 68 gebeten wird, seine Erfahrung mit einzubringen».






Er ist tief in der Partei verwurzelt - hat sich über vier Jahrzehnte in der SPD hochgearbeitet. Politisch war Franz Müntefering seit der Niederlage im Streit mit SPD-Chef Kurt Beck zwar angeschlagen, doch er galt stets als Eckpfeiler der Koalition. Mittlerweile sieht die Welt ganz anders aus: 61 Prozent der SPD-Wähler sind davon überzeugt, dass Franz Müntefering ein besserer SPD-Chef wäre als der amtierende Vorsitzende Kurt Beck.

Dass der knorrige Sauerländer von seinen Genossen erwartet wird wie ein Heilsbringer, zeigt: die Lage der SPD ist nicht einfach. Viele Sozialdemokraten seien sogar niedergeschlagen und deprimiert. An die Rückkehr Münteferings, der die Partei in besseren Zeiten geführt hatte, knüpfen sich nun dieErwartungen. Mit kernigen Reden und "klarer Kante" möchte Münte die Probleme lösen, die der SPD das Leben schwer machen. Auf die Stimmung und die Laune der Sozialdemokraten dürfte sich seine Rückkehr positiv auswirken. Auf "Münte" sind sie stolz, er strahlt Ruhe und Zuversicht aus und steht für eine Zeit, in der die SPD noch Wahlen gewonnen hat.

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries etwa begrüßte ein Comeback Münteferings: «Franz Müntefering ist ein exzellenter Politiker«, sagte die SPD-Politikerin. «Wann immer er voll einsatzfähig ist, würde ich mich darüber sehr freuen.« Über die Rolle Münteferings innerhalb der SPD wollte Zypries nicht spekulieren. »Es ist zunächst Sache von Franz Müntefering zu entscheiden, wie er sich einbringen will», betonte sie und fügte hinzu: «Im Wahlkampf wäre es eine große Hilfe, wenn er, aber auch Gerhard Schröder die Menschen ansprechen und sie von unseren Vorstellungen für eine gerechtere Gesellschaft überzeugen würden.»

Die Vorsitzende der Jungsozialisten, Franziska Drohsel, lehnte die anhaltende Diskussion über eine stärkere Rolle Münteferings ab. «Ich halte nichts von derlei Personaldebatten. Wir müssen endlich wieder inhaltliche Akzente setzen und nicht über Personalien diskutieren», sagte Drohsel. Eine Führungskrise sieht die 28-jährige SPD-Politikerin angesichts der Rufe nach Müntefering nicht. «Ich sehe kein Führungsvakuum. Kurt Beck ist unangefochten Parteivorsitzender der SPD und übrigens an der Basis sehr beliebt.»

Bei der Linkspartei ist Müntefering weniger beliebt. Sollte dieser wieder eine verantwortliche Position in der SPD erhalten, wäre das eine Richtungsentscheidung, sagte der stellvertretende Linkspartei-Vorsitzende Klaus Ernst: «Sie würde bedeuten, dass die Agenda-Politik fortgesetzt wird.» Stattdessen müsse die SPD wieder sozialdemokratische Politik machen. «Dazu sind Müntefering und seine Leute nicht in der Lage», sagte Ernst.

Müntefering hatte im vergangenen Jahr mit Ausnahme des Bundestagsmandats seine politischen Ämter aufgegeben, um seine todkranke Frau Ankepetra zu pflegen, die Ende Juli nach langem Krebsleiden starb. Im September wird der frühere SPD-Chef im bayerischen Landtagswahlkampf auftreten und offenbar auch seine politische Arbeit in Berlin wieder voll aufnehmen. Im Oktober will Müntefering zudem ein Buch zur Zukunft der geschwächten SPD veröffentlichen. Laut «Spiegel» soll es den Titel «Blick nach vorn» tragen.




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