25.08.2008
The Dark Knight im Kino
Bruce Wayne (Christian Bale) fühlt sich ausgebrannt. Dem Billiardär fällt es immer schwerer, im Batmankostüm Schurken zu jagen. Dabei sind seine Fähigkeiten gefragter denn je. Schließlich treibt in Gotham City gerade der finstere Joker (Heath Ledger) sein Unwesen.
Trotzdem bereitet Batman unverdrossen die eigene Ablöse vor. Zum Nachfolger hat er den Staatsanwalt Harvey Dent (Aaron Eckhart) auserkoren. Dass Dent ausgerechnet mit Batmans Ex-Freundin Rachel (Maggie Gyllenhaal) liiert ist, verkompliziert die Lage allerdings.
Mit "Batman Begins" gelang Regisseur Christopher Nolan ("Memento") vor drei Jahren eine famose Wiederbelebung der eingeschlafenen Comicsaga um den schwarzen Fledermausmann. Die Fortsetzung "The Dark Knight" knüpft nahtlos an den damaligen Welthit an. Nolan schafft es erneut, die menschlichen Facetten seiner übermenschlichen Helden perfekt herauszukitzeln. Die Atmosphäre ist dazu beeindruckend düster, die Besetzung gigantisch und die Geschichte sagenhaft ausgefeilt.
Überschattet wird "The Dark Knight" allein vom überraschenden Tod von Heath Ledger ("Brokeback Mountain"). Der australische Joker-Darsteller starb am 22. Januar 2008, kurz nach Abschluss der Dreharbeiten, an einem tödlichen Medikamentenmix. Dass Ledger in seiner letzten Kinorolle das personifizierte Böse verkörpert und in einer Szene sogar einem Leichensack entsteigt, erscheint mit diesem Vorwissen im Hinterkopf noch finsterer und morbider.
Trotzdem ist es nicht allein Ledgers bedauernswertem Tod zu verdanken, dass "The Dark Knight" am Startwochenende in den USA für einen neuen Einspielrekord von 158,4 Millionen Dollar sorgte und Ledger zum heimlichen Star des Films avanciert. Denn während Christian Bale ("Der Maschinist") in der Hauptrolle von Selbstzweifeln zerfressen wird und sich hauptsächlich im Hintergrund aufhält, schwingt sich das Duell zwischen Harvey Dent und dem Joker zum Hauptkonflikt des Films auf.
Mit unglaublicher Präzision thematisiert Nolan dabei den schmalen Grat, der Gut von Böse trennt. Permanent wird der Staatsanwalt vom Joker in Versuchung geführt und mit Schicksalsschlägen konfrontiert. Dents vormals unerschütterlicher Glaube an Recht und Ordnung gerät dadurch zusehends ins Wanken. Immerhin verliert er nacheinander seinen guten Ruf, sein blendendes Aussehen und schließlich sogar seine große Liebe, gespielt von Maggie Gyllenhaal ("Schräger als Fiktion") als Nachfolgerin von Katie Holmes.
Selbst Zuschauer, die sich gemeinhin nicht fürs DC-Comicuniversum erwärmen können, dürfte der emotional dichte Plot restlos begeistern. Zumal Schauspieler Aaron Eckhart ("Thank You For Smoking") als Staatsanwalt überzeugend auftrumpft und sich Ledgers diabolisches Grinsen nachhaltig ins Gedächtnis einbrennt. Als trauriger Clown zieht Ledger den Zuschauer in seinen Bann und lässt ihn wochenlang nicht mehr los. Vollkommen zurecht wurde er für seine Leistung bereits für den ersten posthumen Schauspiel-Oscar seit 1976 ins Gespräch gebracht.
Der sagenhafte Erfolg von "The Dark Knight" an der US-Kinokasse ist somit kein Zufall. Etwas handwerklich, inhaltlich und schauspielerisch perfekteres hat es im Actionkino lange nicht mehr gegeben.