25.08.2008
Hoffnung auf Führung: Müntefering kehrt zurück
Er ist tief in der Partei verwurzelt - hat sich über vier Jahrzehnte in der SPD hochgearbeitet. Politisch war Franz Müntefering seit der Niederlage im Streit mit SPD-Chef Kurt Beck zwar angeschlagen, doch er galt stets als Eckpfeiler der Koalition. Mittlerweile sieht die Welt ganz anders aus: 61 Prozent der SPD-Wähler sind davon überzeugt, dass Franz Müntefering ein besserer SPD-Chef wäre als der amtierende Vorsitzende Kurt Beck.
SPD-Fraktionschef von 2002 bis 2005, Parteichef von 2004 bis 2005, Arbeitsminister und Vizekanzler 2007: der frühere SPD-Chef Franz Müntefering will offenbar im September wieder ins politische Tagesgeschäft Deutschlands einsteigen. Er werde dann seine Arbeit als Bundestagsabgeordneter wieder in vollem Umfang aufnehmen, berichtete die in Düsseldorf erscheinende "Rheinische Post" am Samstag unter Berufung auf SPD-Fraktionskreise.
"Ich bin froh, dass Franz Müntefering wieder nach Berlin kommt. Gerade in diesen für die SPD schwierigen Zeiten können wir einen erfahrenen Fahrensmann wie ihn bestens gebrauchen", sagte der SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend der "BZ am Sonntag". Ähnlich äußerte sich im selben Blatt der Sprecher des Seeheimer Kreises der SPD-Rechten, Johannes Kahrs: "Franz Müntefering wird als Urgestein von uns allen geschätzt, er hat viel mit der Seele der Partei zu tun." "Franz Müntefering wird in schwierigen Situationen der Partei immer gebraucht", sagte der "BZ am Sonntag" auch Klaus Uwe Benneter, der dem linken Parteiflügel zugerechnet wird.
Parteichef Kurt Beck bekräftigte, die Entscheidung über die Kanzlerkandidatur der Partei solle noch in diesem Jahr fallen. Zuvor war allerdings auch bereits von einem Termin im Herbst die Rede gewesen. Beck bekräftigte in der "Bild am Sonntag", er werde dazu als Parteivorsitzender einen Vorschlag machen. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident schloss ausdrücklich nicht aus, selbst für den nächsten Bundestag zu kandidieren. "Die Sache wird entschieden, wenn es an der Zeit ist." Zuvor hatte er Berichte zurückgewiesen, er werde auf dem Landesparteitag der rheinland-pfälzischen SPD am 13. September seine Bundestagskandidatur verkünden.
Die bevorstehende Rückkehr des früheren SPD-Vorsitzenden und Vizekanzlers Franz Müntefering ins politische Tagesgeschäft wird auch von Zypries begrüßt. „Franz Müntefering ist ein exzellenter Politiker“, sagte die SPD-Ministerin der Hannoverschen „Neuen Presse“. Wann immer er voll einsatzfähig sei, würde sie sich darüber sehr freuen, sagte Zypries. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hofft auf eine Rückkehr des früheren SPD-Vorsitzenden auf die politische Bühne: „Ich freue mich, wenn Herr Müntefering wiederkommt. Wir haben gut zusammengearbeitet“, sagte die CDU-Chefin am Sonntag im ZDF-Sommerinterview.
Ende Juli war Münteferings Frau Ankepetra nach einem langen Krebsleiden gestorben. Der SPD-Politiker hatte 2007 mit Ausnahme des Bundestagsmandats alle politischen Ämter aufgegeben, um seine todkranke Frau zu pflegen. Münteferings Rückkehr würde Spekulationen nähren, ob er auch wieder ein SPD-Führungsamt anstrebt.
mp/AFP