26.08.2008
Spanair-Unglück: Schubumkehr als Unfallursache?
Nach dem Absturz der Spanair-Maschine auf dem Madrider Flughafen gibt es erste Erkenntnisse über die Gründe für das Flugzeugunglück: Ein Triebwerk der abgestürzten Spanair-Maschine war auf Schubumkehr geschaltet. Das haben Fachleute bei Untersuchungen des Wracks herausgefunden.
Bei der Suche nach den Ursachen für das Flugzeugunglück von Madrid gehen die Ermittler laut Presseberichten inzwischen davon aus, dass ein Triebwerk auf Schubumkehr geschaltet hat. Auf diese Möglichkeit lasse die Tatsache schließen, dass das Flugzeug vor dem Abheben auf der Startbahn ungewöhnlich lange gerollt sei, berichtete die Zeitung "El País" unter Berufung auf Ermittlerkreise. Den Ermittlern zufolge könnte eines der Triebwerke den Schub umgedreht haben - eine Einstellung, die bei Landungen zum Bremsen vorgenommen wird.
Dadurch erkläre sich, dass sich das Flugzeug unmittelbar nach dem Abheben auf die rechte Seite geneigt habe, berichtete "El País". Der Zeitung zufolge entdeckten Ermittler am Unglücksort, dass eines der Triebwerke umgedreht gewesen sei. "El País" berichtet derweil, die Spanair-Maschine habe beim Start einen halben Kilometer mehr gebraucht als normal, um vom Boden abzuheben. Das Flugzeug vom Typ MD-82 stieg aber nur einige Meter hoch und stürzte in ein Flusstal.
Als am Mittwoch das Flugzeug der spanischen Gesellschaft Spanair auf der Landebahn des internationalen Flughafens Barajas in Madrid verunglückte, befand sich auch eine vierköpfige Familie aus Bayern in der Maschine. Die Identität der 50 und 38 Jahre alten Eltern und ihrer acht und fünf Jahre alten Söhne aus Bayern wurde am Montag durch spanische Ermittler bestätigt, teilte das bayerische Landeskriminalamt mit. Beamte der Münchner Polizei befanden sich bereits im Haus der Familie, um dort DNA-Material zu sichern. Dieses war über das Bundeskriminalamt an die spanischen Behörden als Hilfe zur Identifizierung weitergeleitet worden. Die Angehörigen der Familie werden laut LKA psychologisch betreut.
Beim Start vom Madrider Flughafen Barajas am Mittwochnachmittag war die Spanair-Maschine mit Ziel Gran Canaria kurz nach dem Abheben zu Boden gestürzt und in Flammen aufgegangen. Augenzeugen zufolge habe das linke Triebwerk Feuer gefangen. Mittlerweile zeigen die Bilder einer Überwachungskamera, dass die Triebwerke vor dem Aufprall nicht brannten. Zuvor war ein erster Start bereits wegen einer technischen Panne abgebrochen worden. 19 Passagiere haben das Unglück schwer verletzt überlebt und werden nun in mehreren Madrider Krankenhäuser behandelt. Einige schweben nach wie vor in Lebensgefahr.
Ein ähnliches Unglück erreignete sich im Mai 1991 bei einer Maschine der Fluggesellschaft Lauda Air. Fünfzehn Minuten nach dem Start öffnete sich die Schubumkehr an Triebwerk eins. Die hohen Belastungen sowie der einseitige Schubverlust sorgten bei dem Flugzeug zu einem Strömungsabriss und die Tragflächen rissen ab. Aus 7.500 Metern stürzte die Boeing 767 nahe der thailändischen Ortschaft Phu Toey ab.