26.08.2008
Große Emotionen: Obama kämpft ums Weiße Haus
Seine Familie steht fest hinter ihm, Edward Kennedy kämpft für ihn und selbst Hillary Clinton setzt sich zusammen mit Barack Obama für den Einzug in das Oval Office ein. Die Unterstützung für Obama kommt dabei nicht von ungefähr: Mittlerweile musste der Demokrat seinen Vorsprung gegenüber McCain einbüßen.
Der Parteitag der Demokraten in Denver: Überraschend tritt der schwer krebskranke Parteipatriarch Edward Kennedy, Bruder des ermordeten John F. Kennedy, zum Auftakt vor den Delegierten und beginnt sein politisches Gewicht für Obama in die Waagschale zu werfen. Es wird ganz leise im Saal, die Scheinwerfer richten sich aufs Rednerpult, als Kennedy das Wort ergreift. Er spricht vom Wandel, von "echten" Demokraten. "Das Werk beginnt von Neuem, die Hoffnung wächst, der Traum lebt fort", ruft er den Delegierten zu.
Mit Tränen in den Augen erheben sich viele von ihnen. Der todkranke Senator verspricht: Im Januar wolle bei der Vereidigung des neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika dabei sein. Das unter einem lebensbedrohenden Hirntumor leidende Oberhaupt der legendären Kennedy-Politikerdynastie ruft die Delegierten dazu auf, dem 47-jährigen Obama ihre Stimme zu geben. Mit der Präsidentschaftswahl im November werde "die Flamme an eine neue Generation von Amerikanern übergeben".
Große Emotionen bestimmen den Parteitag. Als Hauptrednerin des Eröffnungstages preist Obamas Frau Michelle ihren Mann als treuen Familienvater und typischen Vertreter des amerikanischen Traums, dessen Politik fest im Glauben und traditionellen amerikanischen Wertvorstellungen verwurzelt sei. Michelle Obama betont aber auch, dass ihr Mann und sie selbst in einfachen Verhältnissen aufgewachsen und deshalb mit den Alltagssorgen der Wähler vertraut seien.
Beide hätten sie früh gelernt, "dass man hart für seine Ziele im Leben arbeiten" müsse. "Wir wollen, dass unsere Kinder und alle Kinder dieser Nation wissen, dass eure Chancen im Leben nur begrenzt werden durch die Reichweite eurer Träume und die Bereitschaft, euch dafür ins Zeug zu legen", ruft die 44-jährige Juristin energiesch in die Menge. Ihr Mann werde von dem "einfachen Glauben" angetrieben, dass "die Welt, so wie sie ist, nicht ausreicht".
Die Demokraten setzen auf Gefühle und so mäkeln einige, dass Obamas Wahlkampf politisch wenig aussagekräftig sei. Der Parteitag in Denver sollte dabei auch weniger politisch sein, sondern mehr privat: Wer ist dieser Barack Obama überhaupt? Woher er stammt, was ihn antreibt, welchem moralischen Kompass er folgt - das wollte die Partei in den Mittelpunkt rücken. All das sollen die Wähler bis ins Detail erfahren, wenn sie abends den Fernseher einschalten. Obama, der Mann, der eine so exotische Biografie hat und dabei doch aus der Mitte Amerikas kommt. Der Sohn einer Alleinerziehenden, der den Sprung ins Weiße Haus schaffen kann. Weiß und schwarz in einer Person. Ein neues Kapitel. Die Zukunft. Das ist die eine Seite dieses Kongresses, die perfekt vorbereitete Inszenierung.
Die andere Seite ist nicht so leicht zu planen, und sie wird Obama sehr viel Geschick abverlangen. Der Sieger der Vorwahlen der US-Demokraten, er muss auch die Skeptiker seiner Partei auf seine Seite ziehen, jene, die im harten Duell des Frühjahrs Hillary Clinton den Zuschlag gaben. Schon ein kurzer Blick auf die Umfragen genügt, um zu erkennen, wie schwierig das wird. Rund die Hälfte der Clinton-Anhänger ist nicht ohne weiteres bereit, am 4. November Obama zu wählen. Etliche spielen mit dem Gedanken, John McCain ihre Stimme zu geben, dem kantigen Vietnamveteranen, der sich nächste Woche von seiner Partei offiziell ins Rennen schicken lässt.
Obama im Portrait: